Katholische Pfarrei Zum Hl. Abendmahl

Wörthsee

Systemrelevant 

Liebe Leserinnen und Leser unseres Sommerpfarrbriefs! 

Die Corona-Krise ist so neu und intensiv, dass sie sogar unsere Sprache beeinflusst. Eine Reihe neuer Wortschöpfungen haben darum gute Chancen, das Wort des Jahres 2020 zu werden. Eine davon ist „systemrelevant“. Ich mag jetzt nicht vertiefen, wie bedenklich es ist, Menschen anhand ihrer Berufe als (nicht) systemrelevant einzustufen. Ich mag auch nicht darüber klagen, dass unsere Gesellschaft die Kirche nicht mehr als systemrelevant ansieht. Ich möchte vielmehr Sie motivieren, darüber nachzudenken, was für Sie und Ihr Leben systemrelevant ist. „Die letzten Wochen waren für uns wie eine geschenkte Zeit“, sagte mir kürzlich eine Familienmutter. „Wir hatten Zeit, um regelmäßig miteinander zu essen und zu spielen“. Ist das möglicherweise ein Anlass, das Zusammenspiel von Familie und Beruf/Schule neu zu justieren? Und haben wir andererseits nicht dort, wo wir die Begegnung mit lieben Menschen schmerzhaft vermisst haben, gespürt, wie systemrelevant diese für unser Leben sind? Grund genug, es ihnen in Zukunft noch stärker zu zeigen! Viele Menschen haben mir erzählt, wie gerne sie in den letzten Monaten Spaziergänge oder Fahrradausflüge gemacht haben oder den eigenen Garten genossen haben. Wenn die Schönheit der Natur so systemrelevant ist, müssten wir dann eigentlich nicht viel sorgsamer mit ihr umgehen? Wenn wir selbst betroffen waren oder die schrecklichen Bilder im Fernsehen gesehen haben, stellen wir uns auch die Frage: Wie systemrelevant ist ein menschlicher, würdevoller Umgang mit unseren Kranken, Sterbenden und ihren Angehörigen? Gerade in solchen Notsituationen ist Distanz statt Nähe die falsche Antwort. Doch selbst wenn wir derzeit zu großen Abständen gezwungen sind, eines sollten wir nicht vergessen: Gott geht nicht auf Abstand! Er ist uns in jeder Situation nahe, denn für Gott sind wir alle systemrelevant – jeder einzelne von uns. Der Zuspruch des Propheten Jesaja gilt auch für uns: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst zu mir“. (Jes 43,8) So wünsche ich Ihnen, dass Sie die Zuversicht bewahren, von Gott behütet zu sein; dass Ihnen immer mehr aufgeht, was für Ihr Leben systemrelevant ist – und dass Sie ihm in Zukunft die gebührende Bedeutung beimessen. Gemeindereferent Holger Appel