Katholische Pfarrei Zum Hl. Abendmahl

Wörthsee


Von Träumen, Freiheiten und Ferien
„Zuviel Gelehrsamkeit kann selbst den Gesündesten kaputtmachen.“ Diesen Spruch legt die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren ihrer fröhlichen, selbstbestimmten Romanfigur Pippi Langstrumpf in den Mund. Sie trifft damit einen Traum, den wir alle – Kinder wie Erwachsene – haben: den Traum von einem Leben jenseits der Alltagszwänge. Dass dieser Traum so selten verwirklicht wird, liegt an mancherlei Hindernissen. Und das größte Hindernis sind wir selbst! Denn wir nehmen uns und unsere kleine Welt so überaus wichtig: die Arbeit, die sozialen Beziehungen, Geld und Wohlstand, Ansehen, Zukunftsängste, dass wir uns mehr davon vereinnahmen lassen als nötig wäre. Ein Bekannter von mir hat in seinem Flur eine große Schale stehen, und wenn Gäste kommen, fordert er sie auf: Handys bitte hier hinein legen! Während des Besuchs muss nicht telefoniert werden, müssen nicht ankommende Nachrichten sofort gecheckt werden, muss nicht das auf dem Tisch stehende Essen fotografiert werden. Alles, was zählt, ist die versammelte Gemeinschaft, die Unterhaltung, das Hier und Jetzt. „Macht euch also keine Sorgen“, fordert Jesus seine Zuhörer auf, „denn euer himmlischer Vater weiß, was ihr alles braucht.“ Immer wieder berichtet die Bibel, wie Menschen scheitern, die auf ihre eigene Tüchtigkeit bauen, und wie Menschen gerettet werden, die auf Gott vertrauen und dabei zusätzlich beschenkt werden mit den Freuden des Augenblicks. Die Ferienzeit eignet sich dafür, auszuprobieren, wie ein Leben sein kann, ohne Zwang zur Kommunikation am Arbeitsplatz, mit Freunden und Verwandten, sondern nur mit Muscheln am Strand oder einem Sonnenuntergang in den Bergen. Pippi Langstrumpf meint jedenfalls: „Ob Plutimikation oder Division – an so einem Tag soll man sich überhaupt nicht mit ‚ions‘ beschäftigen. Oder es müsste ‚Lustifikation‘ sein.“
Holger Appel