Katholische Pfarrei Zum Hl. Abendmahl

Wörthsee


Weit weg? – Ganz nah?
Die Entfernung von München nach Ushgorod in der Ukraine beträgt per Luftlinie 793 km. Das ist genauso weit wie nach Westerland auf Sylt. 1373 km sind es von München nach Butscha, das zu einem Symbol für schreckliche Kriegsverbrechen geworden ist. Das entspricht etwa der Strecke von München nach Ibiza, das ebenfalls ein Symbol ist: für Sonne,              Party und Urlaub.
Was ist ganz nah? Was ist weit weg?
Ein Problem der Corona-Pandemie war, dass sich das Verhältnis von Nähe und Ferne plötzlich verschob: Nahestehende Menschen waren im Lockdown unerreichbar fern, während das ununterbrochene Zusammensein mit anderen eine große Belastung darstellte. Wir Menschen brauchen nämlich beides: Nähe und Geborgenheit ebenso wie Distanz und Freiheit. Wenn wir im Sommer in den Urlaub fahren können, tun wir dies in der Gewissheit, dass uns nach unserer Rückkehr ein Zuhause erwartet. Und gleichzeitig wissen wir: Unsere heimischen vier Wände sind kein Gefängnis, sondern erlauben immer wieder den Aufbruch in neue Welten. „Der Herr ist nahe“, schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Philippi (Phil 4,4). Das ist eine Kernbotschaft unseres Glaubens. Wir Christen glauben daran, dass Jesus uns nahe ist, auch dann wenn es
schwierig wird und wir den Eindruck haben, niemand hält zu uns. Gleichzeitig ist Gott kein Sklaventreiber. „Er führte mich hinaus ins Weite“, heißt es im Psalm 18. Das bedeutet doch: Er öffnet unsere Horizonte, er gewährt uns Freiheiten und lässt uns ausprobieren. Das geht so weit, dass wir manchmal den Eindruck haben, er habe uns verlassen. Gott, wo bist du?
„Der Herr ist nahe“. Und: „Er führt mich hinaus ins Weite“. Ich wünsche Ihnen, egal ob Sie in Seefeld, Hechendorf, Wörthsee, München, Westerland, Ushgorod, Ibiza oder Butscha sind, dass Sie immer wieder neu diese beiden Erfahrungen machen. „Und“ – wie der Apostel Paulus sein Kapitel abschließt – „der Gott des Friedens wird mit euch sein“ (Phil 4,9).
Ihr
Holger Appel, Gemeindereferent