Katholische Pfarrei Zum Hl. Abendmahl

Wörthsee

Nada te turbe, nada te espante

Kommt Ihnen die Überschrift spanisch vor? Ja, Sie haben Recht, sie ist spanisch. Ich habe diese Worte auf einer Spruchkarte entdeckt. Nada te turbe, nada te espante – das heißt übersetzt: Nichts beunruhige Dich, nichts ängstige Dich!

Aber ich bin beunruhigt, gerade jetzt in dieser Zeit, und ich bin mit Situationen konfrontiert, die mich ängstigen: Dieses „Nada te turbe“ könnte wie ein Hohn klingen. In solchen Augenblicken frage ich mich, wie ich dazu gekommen bin, diese Spruchkarte in meinem Arbeitszimmer aufzuhängen.

Der ganze Text lautet:                                                                                                                                                                     „Nichts beunruhige Dich, nichts ängstige Dich. Alles geht vorbei. Gott allein bleibt derselbe. Die Geduld erreicht alles.        Wer Gott hat, dem fehlt nichts: Gott allein genügt.“

Theresia von Avila (1515 – 1582) ist die Verfasserin dieser Zeilen. Wenn ich mich nicht ein wenig mit ihrem Leben beschäftigt hätte, würde ich denken: naja, eine Klosterschwester, die vor 500 Jahren gelebt hat, kann so etwas schreiben.                        Theresia hatte es aber alles andere als leicht. Krankheit, Widerstände, Anfeindungen, die Bedrohung durch die Inquisition hielten sie nicht davon ab, ihren Orden zu reformieren. Über ihr Leben und ihr Reformwerk hat sie selbst in klassischem Spanisch berichtet. Ihr wichtigstes Buch, „Der Weg der Vollkommenheit“, erschien 1573. Theresia war eine außergewöhn-liche Frau mit einem leidenschaftlichen Herzen, einer klaren Intuition und einem erstaunlichen Organisationstalent.     

Nada te turbe, nada te espante. Anscheinend ist es ihr durch all ihre Krisen, durch alle Gebrochenheiten hindurch gelungen, an Gott als Dreh und Angelpunkt ihres Lebens festzuhalten. Vielleicht waren es gerade die Krisen, die dazu geführt haben, dass sie Gott als diesen erkannt hat.

Nada te turbe, nada te espante. Diese Worte verweisen mich direkt auf Gott hin, der mich lieb hat, der immer bei mir ist, gerade auch in Zeiten, in denen es sehr schwer ist. Ich spüre, wie ich ruhiger werde, wie das Vertrauen in das Leben und mein Selbstvertrauen wachsen. Gut, dass dieses Gebet, sei es deutsch oder spanisch, einen Platz in meinem Leben hat:

Solo dios basta – Gott allein genügt.

Ihr Pfarrer Roland Böckler